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In Memorium Carlos

"Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann"!


 

Die Geschichte des "Tango Argentino"

beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Südamerika. In der Hauptstadt Uruguays, Montevideo, und in Argentinien treffen die verschiedensten Völker und Kulturen aufeinander. Kreolen und Indianer, sowie afrikanische, brasilianische und spanische Einwanderer erschließen das Land, arbeiten und leben zusammen und versammeln sich zu fröhlichen Tanzveranstaltungen (Milongas). Takte, Rhythmen und Melodien ihrer Herkunftsländer vermischen sich dabei zu neuen Liedern und Tänzen. Besonders die kubanische Habanera, der brasilianische Candombe und der spanische Tango Anadaluz prägen diese neue Musik, welche in die schnell wachsenden Städte an der Küste vordringt. Angelockt durch wirtschaftliche Not in ihren Heimatländern und durch ein groß angelegtes Einwanderungsprogramm der argentinischen Regierung erreichen alleine zwischen 1880 und 1930 ca. 6 Mio. Neuankömmlinge die Hafenstädte am Unterlauf des Rio de la Plata. Zugleich scheitert die angekündigte Landreform am Widerstand der Landbarone, was die demographische Situation noch verschärft. Denn zu den Einwanderern, denen es nicht gelingt im Hinterland Fuß zu fassen und die deshalb in die Hafenstädte zurückkehren, strömen nun auch noch abertausende von arbeitslosen Landarbeitern und Gauchos aus der Pampa. Und dort, wo viele Menschen auf engem Raum überleben müssen, herrscht Mangel. Mangel an Arbeit, Mangel an Perspektiven, Mangel an Frauen.
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In der Folge mutierte die leichte, fröhliche Milonga zu einem Tanz voller Schmerz, Hingabe und Sehnsucht. Kontrabass, Violine, und das 1840 von Heinrich Band aus der Konzertina entwickelte Bandoneon sind zunächst die Standardinstrumente der durch Kneipen, Bordelle, Mietskasernen und Jahrmärkte ziehenden Musiker. In den Hafenvierteln und Barrios(Vorstädte/Stadtteile) von Buenos Aires und Montevideo, in einem Milieu von Arbeitslosigkeit, Kleinkriminalität und Prostitution wird der Tango zum Ausdruck existentieller Not und menschlicher Einsamkeit. "Für den Tango existiert kein Volk als abstrakte Einheit oder als Ideal. Der Tango kennt nur den Menschen aus Fleisch und Blut." (Jose Gobello) Die argentinische Oberschicht, bar aller sozialen und ökonomischer Nöte lehnt den neuen Tanz, die Musik als Ausdruck von Verkommenheit und Verarmung grundsätzlich ab. Erst am Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt sich die wirtschaftliche Situation Argentiniens langsam zu bessern. Zugleich gelingt dem Tango kurz vor dem Ersten Weltkrieg der Sprung über den Atlantik, hinein in die Salons und Bars von Paris, wo er schnell zum Modetanz avanciert. Er kehrt zurück nach Buenos Aires, welches immer schon ein wenig sein wollte wie Paris, und wird dort endlich von weiten Teilen der argentinischen Gesellschaft akzeptiert.
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Es entstanden unterschiedliche Stilrichtungen, wie z.B. der Vals und der Tango de Salon. Bis in die fünfziger Jahre war der Tango der Gesellschaftstanz Argentiniens. Mit dem Sturz des argentinischen Präsidenten Juan Perón 1955 durch das Militär, schwindet zwangsläufig die Popularität des Tangos. Während dieser Zeit waren öffentliche Versammlungen aller Art verboten, was auch dazu führte, dass die Menschen nicht mehr tanzten. Viele Künstler gingen ins Exil. Erst mit dem Ende der Diktatur lebte der Tango wieder auf und man knüpfte dort an, wo man vor Jahrzehnten aufhören musste, nämlich am Tanzstil der vierziger Jahre.
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Wegen der Zeit der Diktatur fehlt in Argentinien eine Generation beim Tango, der Tango hat es aber ganz offenbar sowohl bei den Tänzern also auch bei den Musikern geschafft, diese Generation zu überspringen und wird hoffentlich in möglichst authentischer Form weiterleben. In den 90er Jahren vermischte sich der Tango mit elektronischen Musikstilen. Es entstand so der sogenannte Electrotango. In Europa erreichte der Tango besonders in Finnland anhaltende Beliebtheit. Er traf genau den Nerv der Finnen, die sentimentale Musik (vorzugsweise in Moll) lieben. Diverse finnische Komponisten wie Toivo Kärki und Unto Mononen schrieben Tango-Evergreens, anfangs noch unter argentinisch klingenden Pseudonymen, später nach den ersten Erfolgen unter ihrem echten Namen. Die finnischen Texte behandeln Trauer, Liebe, Einsamkeit, Sehnsucht und ähnliche Themen. Der Tango ist bis auf den heutigen Tag beliebt. In der Stadt Seinäjoki findet jährlich ein Tango-Festival statt, wo unter den besten Sängerinnen und Sängern ein Tango-Königspaar gewählt wird.

Vals

ist eine mit dem Walzer verwandte Tanzform des Tango im 3/4-Takt. Vermutlich brachten europäische Immigranten den Walzer nach Südamerika und fingen irgendwann an, Tangoschritte danach zu tanzen. Im Gegensatz zu Milonga und Tango Argentino werden hier keine stoppenden Figuren und Schritte verwendet. Der Vals wird schwingend, in einem kontinuierlichen Fluss getanzt.

Milonga

ist sowohl eine Bezeichnung für einen südamerikanischen Tanz, als auch eine Bezeichnung für einen Tanzabend bei dem Tango Argentino, Vals und Milonga getanzt werden. Musikalisch gilt die Milonga als die schnelle Vorläuferin des Tango. Sie wird im 2/4- oder 4/4-Takt notiert. Anders gesagt kann der Tango auch als eine stark verlangsamte Milonga bezeichnet werden. Eine der Milonga sehr nahe Verwandte ist die noch ursprünglichere Candombe.

Carlos Gardel

eigentlich Charles Romuald Gardés (* 11. Dezember 1890 in Toulouse, Frankreich † 24. Juni 1935 bei einem Flugzeugabsturz in Medellin, Kolumbien) war ein argentinischer Sänger. Mit seiner Mutter kam er 1893 nach Argentinien und lebte fortan in Buenos Aires. Der junge Carlos vertrieb sich seine Zeit, unbeobachtet von der alleinerziehenden Mutter, auf den Straßen der argentinischen Metropole. 1906 verließ er die Schule und konzentrierte sich nur noch auf das Singen. Er trat in den Cafés und Restaurants der unmittelbaren Nachbarschaft auf und wurde schnell ein lokaler Gesangsstar. 1910 legte er seinen französischen Namen ab und nannte sich nun Carlos Gardel. Gleichzeitig leugnete er die französische Herkunft und gab vor, aus Uruguay nach Argentinien gekommen zu sein. Wahrscheinlich lag dies auch daran, dass er seit 1911 gemeinsam mit dem uruguayischen Sänger José Razzano seit auftrat. Bis 1915 wurden die beiden Sänger so populär, dass sie nicht nur in den besten Theatern und Clubs von Buenos Aires, sondern auch in ganz Argentinien, in Uruguay und Brasilien auftraten. Auf diesen Tourneen traf Gardel auch sein großes Idol, den italienischen Tenor Enrico Caruso. Seine Karriere wurde allerdings böse gestoppt, als er in einem Club am 11. Dezember 1915 durch einen Lungensteckschuss niedergestreckt wurde. An den Folgen dieser lebensgefährlichen Verletzung sollte er bis an sein Lebensende leiden. Ein Jahr Pause zur Genesung war die Folge, doch kam er dann mit noch größerem Enthusiasmus zurück. In den 1920er Jahren spezialisierte er sich ausschließlich auf den Tangogesang. Nach der Trennung von Razzano, der mit dieser Einseitigkeit nicht einverstanden war, stieg er auf zum ersten und bis heute berühmtesten Tangosänger Argentiniens und der Welt. Gardel wurde der Frank Sinatra des Tangos. Ende der 1920er Jahre kam er auch nach Europa zurück und wurde in Spanien ein ebenso großer Star wie daheim. Sein Debut in Paris gab er 1928. Carlos Gardel wurde der erste und vielleicht einzige argentinische Weltstar im Showbusiness. Seine Bedeutung für den Tango wurde später höchstens noch von Astor Piazzolla erreicht. Mit Beginn des Tonfilms sah er auch im Film für sich eine Zukunft und wirkte in der Folge in zahlreichen Musik-Filmen mit. Ein Flugzeugabsturz in Kolumbien sollte dann allerdings seiner Weltkarriere ein allzu frühes Ende setzen. Zu seinen bekanntesten Liedern gehören: Mi Buenos Aires Querido, Volver, Por una cabeza.

Astor Pantaleón Piazzolla


(* 11. März 1921 in Mar del Plata; † 5. Juli 1992) war ein argentinischer Tangomusiker, Bandoneon-Spieler und Komponist. Er ist der Begründer des Tango Nuevo, einer Gegenbewegung zum traditionellen Tango Argentino. Von seinen Anhängern wird er der Große Astor genannt und als der wichtigste Tangomusiker der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnet. In Argentinien ist er als zweitwichtigster Tangomusiker nach Carlos Gardel anerkannt. Es wird in Argentinien gesagt, dass sich alles ändern kann, außer dem Tango. Piazzolla brach mit dieser traditionellen argentinischen Musikform und versuchte, sie durch die Einarbeitung von Disharmonien, Jazz-Elementen und die Verwendung von nicht-traditionellen Instrumenten zu revolutionieren. Dieser Versuch traf, wie auch die ähnlich klingende Zwölftonmusik, unter Musiktheoretikern auf reges Interesse. Piazzollas Familie lebte während des Großteils seiner Kindheit in New York, dort lernte er Carlos Gardel kennen. 1937 kehre Piazzolla nach Argentinien zurück. Während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 lebte Piazzolla in Italien, kehrte aber oft nach Argentinien zurück.

IN DEN FUSSSTAPFEN VON CARLOS GARDEL

Carlos Gardel, der Übervater des Tango

Abgesehen davon, dass seine Bühnen in Buenos Aires, Montevideo, Paris, London, New York und Madrid waren, protagonisierte er in den späten Zwanziger und frühen Dreissiger Jahren einige Mega-Produktionen der Paramount Pictures und war der erste 'Latin Lover' und Herzensbrecher der aufkommenen US-Filmindustrie.

Immer charmant, immer ein perfektes Styling, eine unwiderstehliche Stimme und Dramen mit den Damen, das waren sein Markenzeichen.

Zu seinem Mythos trägt seine etwas komplizierte Herkunft bei: Er war der Sohn eines Estancieros im Valle Edén (nahe der uruguayischen Stadt Tacuarembó) und der Schwester von dessen Ehefrau. Um das aussereheliche Kind vor der Familie und der Gesellschaft geheim zu halten, wurde der kleine Carlos dem französischen Dienstmädchen Bertha Gardes zur Erziehung übergeben. Diese gab hinterher (wegen der üppigen Erbschaft) Gardel und ihren eigenen Sohn Charles Romuald Gardes, geboren am 11. Dezember 1890 in Toulouse, als ein und dieselbe Person aus.

Und sie tat dies mit ziemlichem Erfolg, da es ja auch niemanden gab, der widersprach: Carlos Gardel selbst war tot, und seine wirklichen Eltern hatten ihn ja weggegeben. Von seinen biologischen Verwandten -sofern diese überhaupt bescheid wussten- war niemand an einer posthumen Aufdeckung des wohlgehüteten Familiengeheimnisses interessiert. Noch heute werden in praktisch allen Biographien von Carlos Gardel der 11. 12. 1890 als dessen Geburtsdatum und Charles Romuald Gardes als dessen bürgerlicher Name angegeben...

Carlos war ein klandestines Kind gewesen, das keinen Nachnamen hatte. Er hat sich den Namen Gardel später selbst zugelegt in Anlehnung an den Nachnamen seiner Ziehmutter.

In Uruguay als Kind uruguayischer Eltern geboren, von einer Französin erzogen und als deren Sohn reklamiert, in Buenos Aires aufgewachsen (wo ihm nach seinem Tod auch ein Mausoleum errichtet wurde) - das führte zu Verwirrungen bezüglich seiner Nationalität, mit dem unvermeidlichen Ergebnis, dass drei Nationen ihn für sich beanspruchen. Existierende Dokumente belegen jedoch eindeutig, dass Carlos Gardel Uruguayer war.

Wie dem auch sei: Die uruguayischen 'Söhne' und 'Enkel' Carlos Gardels (auch in ihrer weiblichen Ausführung) tun ihr Bestes, um den Mythos ihres Ahnvaters noch zu übertrumpfen. Und nach den mit Seufzern durchmischten Beifallsstürmen zu urteilen, die die heutigen Tangosänger und -sängerinnen bei ihren Auftritten einheimsen, sind sie ihrem Vorbild dicht auf den Fersen.

Ach ja: Selbst um Gardels Tod bei einem Flugzeugzusammenstoss auf dem kolumbianischen Flughafen von Medellin am 24. Juni 1935 rankt sich das Mysterium. Es gibt verschiedene Hypothesen, wie es dazu kam, eine besagt gar, Gardel habe sich mit seinem mitreisenden Produzenten Le Pera gestritten und eine Pistole gezogen, wobei der Schuss nicht den Producer, sondern den Piloten traf...

Die F-31 von SACO, mit Gardel an Bord, crasht in die "Manizales" von SCADTA.

Die durch Indizien und Zeugenaussagen am besten gestützte Hypothese ist jedoch, dass der tragische Unfall mit der tödlichen und politisch begründeten Rivalität zweier Piloten zusammenhängt, nämlich des Kolumbianers Ernesto Samper Mendoza von der kolumbianischen Airline SACO (Sociedad Aérea Colombiana), der im Cockpit der F-31 sass, in der Carlos Gardel seine Rückreise nach Buenos Aires antrat, und Hans Ulrich Thom, Pilot der deutsch-kolumbianischen Fluggesellschaft SCADTA (Sociedad Colombo Alemana de Transportes Aéreos).

Die Geschichte des Tango Argentino ist mehr als die Geschichte Argentiniens.

Der Tango entstand zwischen 1850 und 1880 im Süden von Buenos Aires, im Hafenviertel La Boca. Ein fröhlicher Tanz, aus schwarzen, kreolischen und spanischen Elementen zusammengemischt. Die geselligen Anlässe, an denen man diese Musik tanzte, wurden "Milongas" genannt, was in etwa dem Wort "Wirrwarr" gleichkommt und somit für sich spricht. Heute gilt die lebensfrohe Milonga als Vorläuferin des eigentlichen Tango Argentino. Gegen Ende des letzten und anfangs dieses Jahrhunderts sah sich Buenos Aires von Einwanderungsströmengeradezu überschwemmt, die Stadt schien aus allen Nähten zu platzen. Vor allem Italiener hofften, ihr Glück im reichen America zu finden. Um die Jahrhundertwende gab es in Buenos Aires mehr italienische Einwanderer als Argentinier. Die Enttäuschung war vorprogrammiert. Argentinien und Buenos Aires waren mit diesen Massen überfordert und lehnten die Immigranten bald ab. Zuwenig Arbeit, zuwenig Ansehen, zuwenig Frauen, den mittellosen Einwanderern blieb der Ausweg in die Kriminalität, das Vergessen in Spielhöllen, Bordellen und ... in der Musik. Die Vororte, die Barrios, von Buenos Aires entwickelten sich dementsprechend und wurden zur Wiege des Tango, der einst zum Symbol von ganz Argentinien werden sollte.


"Ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann."-
Dieser Ausspruch stammt von Enrique Santos Discépolo, einer der ganz Grossen des Tango.

Enrique Santos Discépolo wurde im März 1901 in Buenos Aires, Argentinien geboren. Er war der Letzte von fünf Söhnen des Santos Discepolo. Sein Vater wanderte von Buenos Aires nach Neapel aus, wo er eine feste Stelle am königlichen Konservatorium bekommen hatte. In Buenos Aires mußte sich sein Vater darauf beschränken, die Blechmusikkorps der Polizei und Feuerwehr zu leiten. Sein Vater gründete dennoch ein kleines Konservatorium, das er bis zu seinem Tod im Jahre Enrique Santos Discépolo 1906 lenkte. Enrique Santos Discépolo verlor seinen Vater im Alter von fünf Jahren und seiner Mutter vier Jahre später. All seine Kindheit wurde durch diese doppelte Trauer geprägt. Er machte sehr früh die Lehre der Einsamkeit. Er besuchte einige Monate eine Schule, mit dem Ziel, Lehrer zu werden, aber gab schnell seine Studien auf, um sein Glück als Schauspieler zu versuchen. Er spielte am Theater, und schrieb zwischen 1918, und 1925 einige Sonaten und Melodien, wurde allerdings kaum beachtet. Zwischen 1925 und 1944 hat Discépolo etwa 30 Tangos geschrieben (Musik und Text), die zu den Wichtigsten der Geschichte des Tangos zählen. Enrique Santos Discepolo starb am 23. Dezember 1951 an Tuberkulose.


Von all den Hoffnungen war den Immigranten nur das geblieben: Ein leicht anrüchig wirkender, eleganter Tanz, in dem die Machos auf Tuchfühlung mit den wenigen Frauen gehen konnten, sich stark, furchtlos, traurig und einsam auf dem Parkett ausdrücken konnten. Nun klang der Tango nicht mehr so fröhlich wie in den ersten Tagen, die Melancholie und die Wehmut liessen sich nicht einfach wegsteckEnrique Santos Discépoloen. Das Bandoneon, die Seele des Tango Matrosen brachten gegen Ende des vorigen Jahr-hunderts das Instrument nach Buenos Aires, welches heute im Tango nicht mehr wegzudenken ist - das Bandoneon, die Seele des Tango. 1840 wurde es vom deutschen Musiklehrer Heinrich Band aus der einfacheren deutschen Konzertina weiterentwickelt: 144 Töne, die aber erst in Argentinien ihren Ausdruck, ihre wahre Berufung fanden. Bis anhin waren Geige, Flöte und Gitarre die Instrumente gewesen, auf denen die ersten Milongas und Tangos von herumziehenden Musikgruppen improvisiert wurden, denn die Kunst des Notenlesens war nicht sehr verbreitet. Als die Trios oder Quartettos begannen, sich in den einschlägigen Lokalen zu etablieren, fand das Klavier auf Kosten von Flöte und Gitarre Eingang in das Instrumentarium des Tango. Dazu kam der Kontrabass, und ab 1920 bis zum heutigen Tag besteht ein orquesta tipica aus zwei Bandoneons, zwei Violinen, dem Piano und dem Bass. Eine Legende wird zum nationalen Hoffnungsträger Die argentinische Elite wollte nichts mit dem Tanz und der Musik aus ihren Armenvierteln zu tun haben, man schämte sich für diesen Auswuchs aus den Bordellen und Gossen der Stadt. Das änderte sich jedoch, als der Tango seinen ersten Carlos GardelBoom erlebte ... ausgerechnet im fernen Paris, das man doch so bewunderte am Rio de la Plata! Ob es nun die Mädchenhändler oder die Künstler gewesen waren, welche den Tango zuerst nach Paris gebracht hatten, Tatsache ist, dass er in der feinen, auf Zerstreuung ausgerichteten Pariser Gesellschaft schnell Gefallen fand. Bereits 1910 wurde argentinischer Tango in ganz Paris getanzt und auch gelehrt. Ob dieser Entwicklung wagten es nun immer mehr angesehene Bürger des Mittelstands von Buenos Aires, sich zum Tango zu bekennen, dem sie ja im Versteckten ohnehin schon lange gefrönt hatten. Carlos Gardel, der mittellose Junge aus dem Grossmarkt-viertel von Buenos Aires, wird zum Idol von ganz Argentinien. Er verkörpert das Märchen, von dem alle die Einwanderer geträumt haben. Er wird ein weltweit gefeierter Star, der sich aus dem Nichts zu Glanz und Gloria erhoben hat und den Tango über Schallplatten, Filme und Auftritte der ganzen Welt als argentinisches Kulturgut überbracht hat. Obwohl Carlos Gardel 1935 im Alter von 45 Jahren bei einem Flugzeugabsturz starb, lebt er in den Herzen der Porteños weiter. Täglich wird sein Grab in Buenos Aires von Fans besucht und mit Blumen geschmückt.

Als der wohl bekannteste Tango-Sänger aller Zeiten, Carlos Gardel, 1913 im luxuriösen Cabaret-Restaurant Armenonvile in Buenos Aires seine erste Abendgage bekam, war er so überrascht, dass er fragte, ob die 70 Pesos für den ganzen Monat gedacht seien. Später gelangte der 1890 geborene Künstler durch Tango zu großem Ruhm und Wohlstand. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Gardel, der auch "Die Amsel" oder "Der Zauberer" genannt wurde, gab den größten Teil seines Vermögens für schöne Frauen und heißblütige Rennpferde aus. Als er dann 1935 bei einem Flugzeugabsturz in den Anden starb, war die Trauer im ganzen Land groß. Ähnlich wie bei seinem in den 60er-Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Kollegen Julia Sosa gab es auch bei Gardels Beerdigung Massenszenen. Tausende säumten seinen Sarg, Dutzende Verehrerinnen sollen sich nach seinem Tod aus Liebe zu Carlos Gardel das Leben genommen haben.

Der avantgardistische Tango Nach dem Zeiten Weltkrieg entwickelte sich aus dem Tangoals Unterhaltungs- und Tanzmusik zusehends eine musikalisch ausgebildetere Musik zum Zuhören, welche sich in ihrem Astor PiazzollaWesen jedoch immer weiter von ihren volkstümlichen Wurzeln in Buenos Aires entfernte und moderne Elemente Miteinfliessen liess. Daran fanden nun aber die alten Tango-Liebhaber am Rio de la Plata gar keine Freude. Sie sahen ihren Tango verfremden. So wundert es denn nicht, dass Astor Piazzolla seine grossen Erfolge noch heute auf der ganzen Welt feiern darf, nicht aber in seiner Heimatstadt Buenos Aires. Eigenwillig mischt er Milonga, Barpiano-Musik und Jazz zu bombastischer Konzertmusik. Tatsächlich kein Tango mehr, jedoch ein Spiegelbild des Buenos Aires und des porteño von heute.

Astor Piazzolla (1921-1992) war ein Komponist und Bandoneón-Spieler, der den Tango revolutionierte. Als er drei Jahre alt war, ging seine Familie von Buenos Aires nach New York City. Dort blieben sie, mit einem kurzen Unterbruch, bis 1936. Der junge Astor hörte in Harlem Jazz-Musiker wie Cab Calloway. Zurück in Buenos Aires, begann er mit dem traditionellen Bandoneón-Spiel im Orchester von Aníbal Troilo. 1940 komponierte Piazzolla ein Stück für Arthur Rubinstein, der auf einer Konzerttournee in Buenos Aires halt machte. Rubinstein erkannte das Talent von Piazzolla und riet ihm, bei Alberto Ginastera Kompositionsstunden zu nehmen, was er denn auch tat. Dort hörte er viel Bartók und Stravinsky, die ihn stark beeinflussten. 1944 verliess er das Trio von Aníbal Troilo, was ihm in der Tango-Szene als Undankbarkeit und Verrat Astor Piazolla angekreidet wurde. Der 25jährige Piazzolla ging von nun an seinen eigenen Weg und gründete seine eigene Tango-Gruppe. In seine Kompositionen fügte er den Kontrapunkt, die Fuge und neue Harmonien ein. Es brauchte über dreissig Jahre bis Piazzolla in den 80er Jahren schliesslich mit seinem revolutionierten Tango in Buenos Aires anerkannt wurde. In einem erinnerungswürdigen Konzert in der Genfer Victoria Hall konnte man ihn gegen Ende seines Lebens erleben. Piazzolla war noch voll auf der Höhe seines Könnens. Später erlitt er einen Hirnschlag in Paris, von dem er sich nicht mehr erholte. Er verstarb 1992 in Buenos Aires.

Während der Tango heute in Buenos Aires nur noch von wenigen Jungen gepflegt wird, erlebt er in Europa einen eigentlichen Aufschwung. Zürich wird als eines der avantgardistischsten Tango-Zentren Europas angesehen, Deutschland hingegen als das wahrscheinlich am stärksten vom Tango-Virus befallene Land. Überall werden Tango-Kurse angeboten, internationale Freundschaftsbande verbinden die Szenen in Paris, Berlin und Zürich, Einladungen zu Bällen und Shows werden hin- und hergeschickt - man erlebt ein grossartiges Zusammengehörigkeitsgefühl.

Der berühmteste Tango Film:




Pour mon ami Carlos !

 

Each song in life a blessing
Of all the love we share
A word we write in essence
Becomes a gentle prayer
 
It rhymes to say I love you
Perhaps it brings a tear
Emotions overwhelming
Relating every where
 
Within the hearts of many
This song belongs to all
Each note and word together
Now gathers like a shawl
 
Comfort with a gentleness
This harmony we share
With each word "ours" forever
In every song we hear.


Carlos and I

 

 

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