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Henriette Davidis (1801 - 1876)
wird als Tochter eines Pfarrers in Wengern bei Wetter an der Ruhr geboren,
dem sie lange Zeit den Haushalt führt. Sie ist die wohl bekannteste
Autorin von Kochbuch- und Ratgeberliteratur des 19. Jahrhunderts.
Ihre bekanntesten Werke sind das "Praktische Kochbuch für die gewöhnliche
und feinere Küche" (1. Auflage 1845) und " Der Beruf der
Jungfrau", eine Anleitung zur
Haushaltsführung. |
 Das Original
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 Eins der
Neuauflagen |
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Mit ihren Büchern will Davidis der
Hausfrau und Mutter dazu verhelfen, dem bürgerlichen Frauenideal zu
entsprechen. Ihre schriftstellerische Tätigkeit schreibt die traditionelle
Rolle der Frau fest: Sie soll auf jegliche Entfaltung ausserhalb des Hauses
verzichten, um ihren Mann in seiner Rolle als Versorger der Familie zu
unterstützen. Der eigentliche Sinn ihrer Arbeit im Haushalt ist die
Erfüllung aller Wünsche des Mannes. Henriette Davidis' Leben entspricht
nicht den von ihr postulierten Konventionen. Sie bleibt unverheiratet,
nachdem ihr Bräutigam früh gestorben war, und verfolgt geschäftstüchtig
die Vermarktung ihrer Bücher, in denen sie auch für Küchengerät und
Lebensmittel wirbt. Als Erzieherin gründet sie 1841 eine
Mädchenhandarbeitschule in Sprockhövel, die sie bis 1848 leitet. Nach
ihrem Tod, 1876, wird sie auf dem Dortmunder Ostfriedhof beerdigt. Die
Davidisstrasse im Osten der Stadt ist nach ihr benannt.
Henriette
Davidis' Kochbuch wird oft neu aufgelegt und mehrfach in fremde Sprachen
übersetzt. Keines der anderen Bücher aus ihrer Feder hat sie so berühmt
gemacht wie ihr Kochbuch. Das "Man nehme…" zu Anfang der Rezepte wird
später zu einem geflügelten Wort der Kochkunst. Henriette Davidis'
Kochbuch umfasst Speisen der gutbürgerlichen Küche, internationale
Gerichte, aber auch Hausmannskost. Gänseleberpastete und Schildkrötensuppe
werden ebenso aufgeführt wie eingelegte Heringe und Bratkartoffeln.
Allgemeine Regeln zur Handhabung der Lebensmittel und zur Zubereitung der
Speisen ergänzen die
Rezepte-Sammlung.
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| Hier als Beispiel ihr Rezept vom
Schokoladenkuchen:
Man nehme:
14 Eier, 250 Gr. durchsiebten Zucker, 250 Gr. geriebene
Mandeln, 200 Gr. auf einem Reibeisen feingeriebene und durchsiebte
süsse Vanilleschokolade, 4 Gr. feinen Zimt und dazu 1 Teelöffel
voll Backpulver. 12 Eidotter und 2 ganze Eier werden mit
Zucker, Mandeln, Schokolade mittels eines Schaumbesens eine viertel Stunde
stark geschlagen, oder eine halbe Stunde gerührt, dann wird das zu Schaum
geschlagene Weisse der Eier durchgemischt, Backpulver schnell durchgerührt
und der Teig in eine bereitstehende zugerichtete Form gefüllt. Der Kuchen
wird bei geringer Hitze 1 Stunde gebakken. Es darf auf keinen Fall
daran gestossen werden.
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In ihrem Buch vermittelt Henriette
Davidis darüber hinaus hauswirtschaftliche Kenntnisse; in der Einleitung
schreibt sie: "Die erste Regel um wohlschmeckend und fein zu kochen, ist
grosse Reinlichkeit, welche ich allen jungen Anfängerinnen freundlich
empfehle. Es besteht diese in gründlicher Sauberkeit der Hände, der Küche,
der sämtlichen Küchengeräte, der Anrichten und Tische, sowie auch im
tüchtigen Waschen und Spülen der Gemüse." Das Kochbuch bietet
Vorschläge zur Gestaltung von Speisefolgen, Anleitungen für die
Ausrichtung grösserer Gesellschaften, Regeln für das Tranchieren und
Anrichten der Speisen sowie Möglichkeiten der Verwertung von Resten und
Nährwertangaben für Nahrungsmittel. Das letzte Kapitel "Die Kunst des
Wirtschaftens" geht auf die richtige und zweckmässige Organisation des
gutbürgerlichen Haushalts ein. |
"Man nehme ..."
Henriette Davidis schrieb 1853 in Minden an ihrem Kochbuch
"Man nehme ...":
Nur zwei Worte, aber eine Verheissung für alle, die gerne backen, kochen und essen!
Geprägt hat diese Worte, die heute fast jedes Rezept einleiten, Henriette Davidis (1801-1876),
Tochter eines protestantischen Pfarrers aus Wengern an der Ruhr. 1853, vor 150 Jahren,
schrieb sie an ihrem Kochbuch, und zwar in Minden.
Am 17. Juni 1853 zieht Henriette Davidis, so eine kurze Notiz in einer städtischen Akte,
von Hahlen nach Minden. Ihr Aufenthalt in Minden wurde polizeilich genauestens verfolgt.
Nachdem das Amt Hartum, zu dem Hahlen gehörte, für die Schriftstellerin eine "Ueberweisung"
nach Minden ausgestellt hatte, wurde erwartet, dass sie bei der Polizei-inspektion wegen
"ihrer vorschriftsmässigen Niederlassung gefälligst" vorstellig würde.
Bis zum 27. Juli kam sie dieser Aufforderung offensichtlich nicht nach:
Man konnte aber ausfindig machen, dass sie krankheitshalber zu einer Badekur nach Nammen gereist wäre.
Von dort zurück in Minden, bat sie am 25. Oktober 1853 in einem Schreiben den Bürgermeister,
ihr "eine Aufenthaltskarte auf ein halbes Jahr" auszustellen, was dann wohl auch geschah.
In Minden lebt sie im Haus des Tabakfabrikanten Friedrich A. Weddigen an der Ecke Brüderstrasse 26 / Königswall 51
(1979 abgebrochen).
Ihr "Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche", das 1844 erstmals erschien,
ist bis heute ein Bestseller.
1853 bereitete sie von Minden aus die sechste Auflage, die 1854 in einem Bielefelder
Verlag erscheinen soll, zum Druck vor. Die Arbeiten an der Neuauflage sind bald abgeschlossen,
wie die Datierung des Vorworts mit "Minden, im September 1853" verrät.
Im Haus ihres Gastgebers war Henriette Davidis vermutlich nicht nur mit der Redaktion
des Kochbuchs beschäftigt, sondern auch mit der Erziehung der acht fünf- bis 18jährigen
Kinder des Ehepaars Weddigen betraut. Als gelernte Erzieherin und Verfasserin zahlreicher Ratgeber,
die ein umfassendes Erziehungs- und Bildungsprogramm für Mädchen und Frauen des Bürgertums in
der damaligen Zeit entfalten, dürfte sie sich für diese Aufgabe glänzend empfohlen haben.
Ihr Kochbuch enthält "einen Küchenzettel nach den Jahreszeiten geordnet",
denn um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde gekocht und gegessen,
was aus heimischen Seen und Flüssen gefischt, in Ställen der Umgebung gefüttert
und im eigenen Garten gezogen worden war: Zitronen und Orangen waren aufgrund des langen
Transports per Schiff teuer und rar, Erdbeeren kamen - anders als heute, wo sie gekühlt
unterwegs sind und schon im Januar und Februar zum Verkauf angeboten werden - allenfalls
im Frühsommer als Dessert auf den Tisch.

Henriette Davidis (1801-1876), Autorin des Kochbuch-Bestsellers aus dem 19. Jahrhundert. (Kommunalarchiv Minden)
Ohne schnelle Überseeverbindungen per Flugzeug, ohne Tiefkühlmöglichkeiten und ohne Konserven-büchsen
sah der Speisezettel damals anders aus: Exotische Früchte fehlten auch auf dem Esstisch
des gehobenen Bürgertums fast ganz; Fisch, Fleisch und Obst konnten nur durch Einkochen,
Trocknen oder Einsalzen haltbar gemacht werden.
Der Titel des Kochbuchs von Henriette Davidis verheisst dennoch Köstlichkeiten:
Gelehrt wird die "Bereitung von verschiedenartigen Speisen, kalter und warmer Getränke,
Gelees, von Gefrornem, Backwerken, so wie zum Einmachen und Trocknen von Früchten."
Und sie gibt gleich im Anhang die Anweisung, wie "Arrangements zu kleinen und grösseren
Gesellschaften, zu Frühstücks, Mittags- und Abendessen, Kaffee's und Thee's" zu gestalten sind.
Vermutlich wird, da es sich um "selbstgeprüfte Rezepte" handelt, oft ein verlockender Duft
aus der Küche ins Esszimmer ihrer Mindener Gastgeber geweht sein.
Die Kochkunst ist eine der liebenswertesten Schöpfungen der Zivilisation.
- allg. deutsches Kochbuch - 1877 -
HENRIETTE DAVIDIS - Biographie* -
1801 Henriette Davidis wurde am 1.3.1801 in Wengern geboren.
Vater Pfarrer Ernst Heinrich Davidis. Niederl. Mutter geb. Lithauer.
Die Davidis waren ein altes luth. Pfarrergeschlecht aus Unna.
1816 Private Töchterschule Schwelm, Henriette wohnte bei ihrer Schwester Betty
auf Haus Martfeld/Schwelm.
Danach Ausbildung zur Erzieherin in Wuppertal-Elberfeld.
4 Jahre Aufenthalt in Witten-Bommern:
Als Erzieherin und Köchin wirkte sie auf Gut Oberste-Frielinghausen
(bei ihrer Schwester Albertine) und auf Gut Steinhausen.
1828 Rückkehr zur Mutter ins Pfarrwitwenhaus Wengern.
Zweimal verlobt, beide Männer starben vorzeitig.
1838 Begleiterin einer kranken Frau in der Schweiz.
Nach 1839 versch. Aufenthalte in Stemwede-Levern und Medebach-Küstelberg.
1841-48 Leiterin der Mädchenarbeitsschule Sprockhövel
1844/45 Vorwort und Druck des ersten Kochbuches
1848 "Gedichte"
1849 4 Jahre Erzieherin in Hansestadt Bremen
1850 "Der Gemüsegarten"
1853 Aufenthalt in Minden, hier Herausgabe der 6. Auflage des Kochbuches
Um 1856 war Henriette auch Dortmund verzogen.
Sie konnte fortan aus den Erträgen ihres Kochbuches leben (1876: 21. Auflage).
1856 "Puppenköchin Anna", ein Kinderbuch
1857 "Die Jungfrau"
1858 "Puppenmutter Anna", Kinderbuch
1861 "Die Hausfrau"
1874 Aufenthalt in Werne an der Lippe
1876 Henriette starb am 3.4.1876 in Dortmund.
* Aus dem Buch “Auf Henriette Davidis Spuren”
herausgegeben v. Pfarrer Walter Methler Ev. Kirche Volmerstein 1987
Über das Leben und Wirken der Henriette Davidis in Sprockhövel

In den Jahren 1841 bis 1848 leitete Henriette Davidis die Mädchenarbeitsschule,
die im Hause Heine, heute Hauptstr. 4, untergebracht war.
Wahrscheinlich hatte sie nur jeweils wenige Mädchen um sich geschart, um sie in praktische Hausarbeit einzuführen.

Henriette wohnte wenigstens zeitweise im Schultenhof
vielleicht auch in einem Backes,
der bis Anfang der 70er Jahre etwa an der Stelle des Neubaus der Volksbank stand. Dort zumindest hat sie kulinarisch experimentiert, d. h. ihre Kochrezepte erprobt.
Die Jahre 1841 bis 1848 sind gleichsam die Achsenzeit im Leben der Davidis. Wenn man ihre Kindheit, d. h. die 15 Jahre bis zu ihrer Konfirmation - damals verliess sie ihr Elternhaus - abrechnet, so verbleibt vor und nach ihrer Sprockhöveler Zeit je etwa ein Vierteljahrhundert. Wie es scheint, hat sie in Sprockhövel am längsten verweilt -
abgesehen von Dortmund, wo sie ihren allerdings mit wiederholtem Wohnungswechsel verbundenen Lebensabend verbrachte.
Aus dem unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang ihres Aufenthaltes in Sprockhövel stammt ein uns befremdlich klingendes Urteil aus der Feder des ihr zweifellos bekannten Thomas Noelle, der von 1839 bis 1847 Amtmann in Sprockhövel war. In seiner "Chronick von Sprockhövel", die er im August 1848 in Breckerfeld abschloss, schreibt er:
"Als Schriftstellerinn ist jedoch Fräulein Henriette Davidis zu erwähnen, die Verfasserinn anspruchloser und anmuthiger, keineswegs mittelmässiger Dichtungen ist welche bei Velhagen und Clasing in Bielefeld erschienen sind, und deren 2te Auflage bald folgen wird." (S. 94 b)
Der Begriff "anspruchlos" hat im Textzusammenhang keinen negativen Sinn; er meint eher: "leicht fassbar", "leicht verständlich".
Was meint Noelle überhaupt? Henriette Davidis hat bei Julius Bädeker in Elberfeld bzw. Iserlohn Gedichte veröffentlicht, nicht bei Velhagen und Klasing. Eine zweite Auflage erschien noch 1848. Aber diese Gedichte sind alles andere als "anmutig". Noelles Ungenauigkeit korrespondiert mit der literarischen Einstellung "seiner" Sprockhöveler: "Die Poesie findet hier wenig Anklang." Auch ihm bleibt der Zugang zum tieferen Verständnis der Davidisschen Dichtung verschlossen.
Im eigentlichen Sinne verwunderlich ist Noelles Bemerkung aus einem anderen Grunde: Nicht als Literatin war Henriette Davidis damals bekannt, sondern als Kochbuch-Autorin. Ihr aus dem Jahre 1844 stammendes "Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche" war 1847 bereits in dritter Auflage erschienen. Dieses Werk begründete ihren Ruhm.
Es gibt ein weiteres Indiz, dass die Kochkünste der Henriette Davidis in Sprockhövel nicht wahrgenommen wurden. Fritz Lehmhaus analysiert in seinen Lebenserinnerungen die Speisekarte des Unterdorfs, in dem er aufgewachsen war. Die Essgewohnheiten der Unterdörfler hatten ihre tieferen Wurzeln weit in der vordavidisschen Vergangenheit. Von den Eingesessenen wurde der verführerische Duft der damals aufkommenden anspruchsvolleren Küche als "neumodisch", als "Schnickschnack" oder "Firlefanz" abgetan. Fritz Lehmhaus, dessen Mutter in der Mädchenarbeitsschule unter Anleitung
der Davidis "Stricken und dergl." gelernt hatte, kommt schliesslich zu dem Urteil:
"Man kann sagen, dass Henriette Davidis, die Verfasserin des bekannten Kochbuches, in Sprockhövel keine Spuren hinterlassen hat."
("Das Unterdorf", S. 29)

Fritz Lehmhaus danken wir auch die Nachricht, dass Henriette Davidis im Schultenhof gewohnt hat. Im eben erwähnten Backes probierte sie einen Teil ihrer Rezepte aus. Von dort überschaute sie den Gemüse-, Kräuter- und Blumengarten, in dem der Schulte Ferdinand Leveringhaus zusammen mit seinem Müller Kaspar Voss ähnlich wie später (1865) Gregor Mendel experimentierte, beispielsweise Blumen andere Farben
anzuzüchten versuchte. Es ist vorstellbar, dass Henriette Davidis gerade im Gespräch mit diesen beiden Männern ihr 1850 erschienenes Buch "Der Gemüsegarten" (später erweitert zu "Der Gemüse- und Blumengarten") bereits skizzenhaft entwarf.
Mit diesem Buch hat es - bezogen auf Sprockhövel - seine besondere Bewandtnis. Als es 1850 erschien, schrieb Henriette dem Schulte Leveringhaus einen im Ton freundlichen Brief, der sich heute noch im Besitz eines Sprockhövelers befindet. Henriette kündigt ihm an, dass ihm in Kürze vom Verlag 24 Exemplare des Gartenbuches zukommen werden,
über die er frei verfügen kann.Die Buchautorin stattet damit ihren Dank für geleistete Vorarbeit ab.
Das eigentliche Anliegen des Briefes ist jedoch ein anderes: Sie bittet Ferdinand Leveringhaus um die Rückzahlung von 100 Talern, die sie einst dem Schulte geliehen
hatte. Wahrscheinlich hatte Leveringhaus , der 1841 die Erbpacht des Domänengutes in sein persönliches Eigentum überführen konnte, die doch recht erkleckliche Summe von 1600 Talern sofort nach Vertragsabschluss hinterlegen und weitere Steuern und Lasten,
die auf dem Schultenhof lagen, übernehmen müssen. In seiner finanziellen Bedrängnis ist ihm irgendwann zwischen 1841 und 1848 Henriette beigesprungen.
Die Davidis behandelt die Angelegenheit mit Diskretion. Sie trägt dem Adressaten ausdrücklich auf, keine Grüsse an “Freunde und Bekannte" auszurichten, damit ihm unangenehme Rückfragen nach dem Zweck ihres Schreibens erspart bleiben. Sie bestätigt ihm, dass sie sich in Bremen, von wo aus sie schreibt, "recht wohl und glücklich fühle , das liebe Sprockhövel aber darüber nicht vergesse".
Gegen Ende ihrer Sprockhöveler Zeit veröffentlichte Henriette Davidis ein Bändchen mit Gedichten. Es sind die persönlichsten Dokumente, die wir von ihr besitzen. Offensichtlich stammen alle - wie die beigefügten Daten vermuten lassen - aus ihren Jahren in Sprockhövel.
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 Lette-Verein
Hier erfährst Du etwas über den Beruf " Hauswirtschaftsleiterin / hauswirtschaftliche Betriebsleiterin.
Kennntnisse und Tüchtigkeit geben Selbstständigkeit, Sicherheit und Unabhängigkeit
im Charakter wie in der Lebensweise -
Wilhelm Adolph Lette

Wilhelm Adolph Lette (1799-1868)

Lette wurde am 10. Mai 1799 in Kienitz Kreis Soldin (Neumark) geboren.
In Berlin besuchte er das Gymnasium zum Grauen Kloster.
Ab 1816 studierte er Jura, Staatswissenschaften, Geschichte und Philosophie in Heidelberg,
Göttingen und Berlin. In dieser Zeit war er in einer Burschenschaft aktiv und wurde 1817 wegen
der Beteiligung am Wartburgfest kurzzeitig inhaftiert.
1821 trat er als Gerichtsauskultator in den Staatsdienst ein.
Es folgten Tätigkeiten als Oberlandesgerichtsrat in Posen 1835, Dirigent der volks- und landwirtschaftlichen Abteilung
an der Regierung in Frankfurt/ Oder und Vortragender Rat im Ministerium des Innern bis er sich als Präsident
des neuerrichteten Revisionsamtes für Kultursachen bedeutende Verdienste um die Förderung des preussischen
Landwirtschaft erwarb. Neben all diesen Ämtern war Lette auch schriftstellerisch tätig.
Ab dem Jahre 1848 wurde er auch auf politischen Gebiet aktiv. So war er Mitbegründer des Constitutionellen Clubs
in Berlin und Mitglied der sogenannten Kasinopartei und nahm an den Beratungen der Frankfurter Nationalversammlung teil.
Im Jahre 1851 wurde er Mitglied der Preussischen Kammer und bezog 1852 einen Platz im Abgeordnetenhaus.
Und obwohl er in der Reaktionszeit aus dem Staatsdienst entlassen worden war,
war er 1867 immer noch Abeordneter im Norddeutschen Reichstag.
Besonderes leistete auf dem Gebiet der Organisation und Unterstützung gemeinnütziger Vereine.
So gründete er den Berliner Handwerkerverein, den Verein zur Beförderung des Seidenbaus in der Mark
Brandenburg und den Zentralverein für das Wohl der arbeitenden Klasse, deren Präsident er war.
Seine Grundthese lautete, dass die sozialen Missstände nicht durch Wohltätigkeit beseitigt werden können.
Zur Lösung der sozialen Frage muss dem Menschen vielmehr die Möglichkeit geboten werden, sich
unbehindert eine angemessene Arbeit zu suchen, was auch für die Frauen galt.
1866 gründete er einen
"Verein zur Förderung des weiblichen Geschlechts" - den LETTE-VEREIN - in Berlin.
Dieser setzte sich besonders dafür ein, dass die Vorurteile bezüglich der
Erwerbstätigkeit der Frau bestanden, ausgeräumt werden müssten.
Es sollte ein Schule zur Berufsausbildung der Frau auf technischem, medizinischem und
künstlerischem Gebiet gegründet werden. 1866 entstand eine Gewerbe-, Zeichen-, Buchbinderinnen-
und
Handelsschule für Hauswirtschaftlerinnen.
Am 3. Dezember 1868 starb Lette in Berlin.

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